Victor Lustig: Ein Mann verkauft den Eiffelturm
Definiert man sie nicht über eine offizielle Ausbildung, sondern betrachtet Intention und Fähigkeiten, könnte man sagen, dass es zwei Arten von Psychologen gibt: Die guten und die bösen. Erstere, meist konventionell praktizierend, versuchen in aller Regel ihren Mitmenschen eine Hilfe zu sein in dem sie sich um das menschliche Seelenheil bemühen. Die zweite Art allerdings, also die bösen, benutzen ihre Fähigkeiten in erster Linie zur persönlichen Bereicherung. Sie haben Gespür für die Schwächen der Menschen, erkennen ihre Gelüste, ihre Gier und Manipulieren ihre Opfer wie ein Puppenspieler. Man nennt sie Hochstapler, Gauner oder Trickbetrüger. Sperrige Begriffe für jemanden, der im Englischen mit bewunderndem Unterton Con Artist genannt wird.
Natürlich handelt es sich bei diesen „Betrugskünstlern“ um Verbrecher, aber eben um jene von deren gewitzten Coups oft eine besondere Faszination ausgeht.
Einer ihrer berühmtesten Vertreter, und sicher auch einer der dreistesten, war Graf Victor Lustig. Der natürlich in Wahrheit gar kein Graf war. Jener Victor Lustig verfügte über eine dermaßen beeindruckende Menschenkenntnis gekoppelt mit genug krimineller Energie, dass er es schaffte sogar Menschen um den Finger zu wickeln, die es eigentlich hätten besser wissen müssen. So verkaufte er in den USA mehrfach eine Kiste die scheinbar 100$-Noten drucken konnte, flog allerdings auf, wurde verhaftet und tauschte schließlich beim Sheriff eine eben jener Gelddruckmaschinen gegen seine Freiheit ein. Als der Gesetzeshüter bemerkte, dass die Wunderkiste nur noch weißes Papier ausspuckt war Lustig schon über alle Berge. Mit einer anderen Masche ergaunerte er von Al Capone persönlich 5000 Dollar und, noch verwunderlicher, überlebte das auch noch unbeschadet.
Doch von all seinen Gaunereien erregte eine besondere Aufmerksamkeit. Im Jahr 1925 erfuhr Lustig von der Renovierungsbedürftigkeit des Eiffelturms. Indem er sich als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums ausgab, lockte er sechs vermögende Schrotthändler zu einem geheimen Treffen in ein nobles Hotel. Er erklärte, dass der alte Turm endlich abgerissen und anschließend als Schrott verkauft werden solle. Das Verkaufsgespräch diente Lustig dazu die einzelnen Personen beobachten und einzuschätzen zu können, um dann ein geeignetes Opfer auszuwählen. Es gelang ihm tatsächlich einen der Herren davon zu überzeugen das Geschäft mit ihm abzuschließen und natürlich im Voraus zu bezahlen. Allerdings schöpfte die Frau des Schrotthändlers Verdacht und mahnte ihren Mann zur Vorsicht.
Besonders in solchen Situation zeigten sich Lustigs beeindruckenden psychologischen Fähigkeiten. Um jeglichen Verdacht auszuräumen beraumte er ein weiteres Treffen mit seinem Opfer an und erklärte diesem wie wenig er als Beamter verdienen würde. Der Schrotthändler verstand die Aufforderung zur Bestechung und hielt ihn, gerade weil er Schmiergeld verlangte, für einen echten französischen Beamten. Mit der Beute in der Tasche floh Victor Lustig anschließend nach Wien und wartete vergeblich darauf von seinem Coup in der Zeitung zu lesen. Aus Scham hatte der geschädigte Schrotthändler geschwiegen. Also kehrte der Gauner nach Paris zurück und verkaufte den Turm ein zweites Mal. Diesmal flog er aber auf und musst fliehen.
Victor Lustig starb 1947 im legendären Gefängnis von Alcatraz. Bis zu seinem Tod stand er dort angeblich unter Al Capones persönlichem Schutz.



