Kategorie: Menschen

Herzlichen Glückwunsch, Sir Arthur!

Sir Arthur Conan Doyl Am 18. Mai 1859 erblickte Sir Arthur Ignatius Conan Doyl das Licht der Welt. Den meisten bekannt als geistiger Vater des unsterblichen Sherlock Holmes, hat er doch wesentlich mehr hinterlassen, als nur die Geschichten um den genialen Detektiv.

Stundenlang könnte ich von Doyle schwärmen. Nicht nur seine Werke waren und sind von ganz besonderer Qualität. Er selbst war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Neugierig, weltoffen, phantasievoll aber auch liebenswert naiv mit einem Hang zum Übernatürlichen und vor allem geprägt von einem besonderen Sinn für Gerechtigkeit. Es gäbe so viel über ihn zu berichten. Er führte ein abenteuerliches Leben als Schiffsarzt, zog in den Burenkrieg, war zeitweise mit Harry Houdini befreundet und versuchte die Existenz von Feen zu beweisen. Von seinem Gerechtigkeitssinn beflügelt wurde er sogar selber als Detektiv tätig und konnte so die Freilassung eines zu Unrecht Verurteilten bewirken. Eine Biographie, spannend wie eine seiner Erzählungen. Und tatsächlich scheint Doyls Charakter auf eine seiner Figuren ganz besonders abgefärbt zu haben. Wie wurde noch gleich Dr. Watson beschrieben?

Anstatt noch endlos meiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, gratuliere ich Sir Arthur lieber mit einer Leseempfelung. Aus all seinen Werken habe ich drei ausgewählt, die zu meinen besonderen Favoriten gehören. Wenn Sie, lieber Leser, also zur Feier des Tages auch ein wenig in Doyls Universum schnuppern möchten, kann ich Ihnen die folgenden Geschichten nur wärmstens empfehlen:

1.) Der Parasit, 1894

»Wie süß und sanft wirkt die Natur auf die Seele.
Wer könnte denken, das in ihr solch finstere Kräfte wohnen?«

Stellen Sie sich vor, ein Fremder bestimmt Ihr Handeln und Sie können nichts dagegen tun. Ein Mensch als Marionette. Hypnose? Gedankenkontrolle? Telepathie? In Tagebuchform berichtet ein brillanter und skeptischer junger Wissenschaftler über seinen zähen Kampf gegen eine schier übermächtige Hypnotiseurin. Ein Stoff, den man heutzutage vielleicht als Wissenschafts-Mysterythriller bezeichnen würde. Wer Akte X mochte, wird auch dieser Geschichte etwas abgewinnen können. Skeptischer Wissenschaftler gegen dunkle Mächte. Sehr atmosphärisch und daher lesenswert.

2Holmes und Watson.) Der Schwarze Peter, 1904
aus “Die Rückkehr des Sherlock Holmes”

»Mitten zwischen all diesen Sachen, hing an einer Wand der Kapitän selbst. Das Gesicht war furchtbar verzerrt und entstellt und sein mächtiger, struppiger Bart starrte steif in die Höhe. Durch seine breite Brust war eine eiserne Harpune gejagt und steckte noch tief in der Wand. Er war aufgespießt wie ein Käfer auf einem Karton.«

Tja, an Holmes kommt man einfach nicht vorbei. Ich möchte gar nicht spekulieren, was es über mich aussagen könnte, aber diese Geschichte mag ich besonders wegen des blutrünstigen Mordes und der brillant beschriebenen “Schlachthaustmosphäre”. Eine Bluttat wie aus einem Tarantino-Film. Dazu noch eine wendungsreiche und hintergründige Geschichte. So mag ich das.

3.) Das gelbe Gesicht, 1893
aus “Die Memoiren des Sherlock Holmes”

»Aber die Antwort die er gab war so, dass ich mich ihrer immer mit Vergnügen erinnere.«

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich gerade Sherlock Holmes inspiriert hat. (Bisweilen behaupten meine Mitmenschen, es gäbe gewisse Parallelen zwischen uns beiden. Positive wie negative.) Von allen Holmes-Abenteuern liegt mir dieses auf eine ganz besondere Art am Herzen. Als ich mit der Geschichte das erste Mal durch war, entfuhr mir ein Seufzer der Rührung. An der Menschlichkeit und Toleranz, die uns diese Episode lehrt, sollte sich jeder ein Beispiel nehmen. Arthur Conan Doyl beschreibt hier eine humane und offene Weltanschaung, die zu seiner Zeit aussergewöhnlich war und heute leider all zu oft in Vergessenheit gerät. Dass das ganze auch noch spannend und rätselhaft verpackt ist, macht es umso lesenswerter.

Happy Birthday, Sir Arthur!

 

PS: Hier noch ein Hinweis an all jene die einen Film einem Buch vorziehen (was nicht unbedingt verwerflich ist!). Die inzwischen recht populären Holmes-Verfilmungen von Guy Ritchie mögen zwar passable Actionfilme sein, haben mit der Figur des Sherlock Holmes wie Arthur Conan Doyl sie sich vorstellte aber rein gar nichts zu tun.

Happy Birthday Mr Poe

E. A. PoeHeute vor 203 Jahren wurde Edgar Allan Poe gebohren. Somit bin ich nur drei Jahr zu spät um ihm zum glatten 200sten zu gratulieren. Grund genug um an den Meister des Makaberen zu erinnerten. Jedem, der sich die düstere Eleganz seiner Werke abermals in Erinnerung rufen möchte, empfehle ich die umfangreiche Poesammlung im großartigen Projekt Gutenberg.

»Dahinter sich eitel Elend und Graus
Zum verworrenen Knoten schürzt
Und ein Phantom sich unter Applaus
Ins leere Dunkel stürzt.«
Aus Der Eroberer Wurm

Ein berühmter Hypnotiseur

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, lieber Leser, aber ich persönlich liebe die kleinen Geschichten hinter der Geschichte. Jene historischen Anekdoten und Begebenheiten, die nicht wichtig genug erscheinen um als Standardinformation überliefert zu werden. Wussten Sie zum Beispiel, dass Konrad Adenauer der Erfinder einer Sojawurst ist, oder dass sich Isaac Newton vielmehr mit Alchemie und Theologie als mit Physik befasst hat? Oder ist Ihnen bekannt, dass der US-Präsident Calvin Coolidge zwei Löwen mit den Namen Tax Reduction und Budget Bureau besaß?

Eine ähnlich interessante Randnotiz der Geschichte ist folgende:
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte der Artz und Wunderheiler Franz Anton Mesmer sein Lehre des Animalischen Magnetismus, ein System, später oft Mesmerismus gennant, das allgemein als Grundlage der modernen Hypnose angesehen wird.
Trotz des Widerstandes der Schulmedizin erfreuten sich seine Heilverfahren schnell großer Beliebtheit und binnen kürzester Zeit verbreiteten seine Schüler, wie z.B. der englische Artzt John Elliotson, seine Lehren in aller Welt.
Ein von Elliotson ausgebildeter Magnetiseure befand sich eines Tages auf einer ausgedehnten Reise durch Italien, als er unversehens mit der ausgeprägten Migräne einer mitreisenden Dame konfrontiert wurde.
Um ihre Qualen zu lindern, wandte er sein Wissen um Mesmers magnetische Strich an und befreite die Patientin derart nachhaltig von ihren Beschwerden, dass ihr Ehegatte spontan beschloss selbst das Magnetisieren erlernen zu wollen. Doch um wen handelte es sich bei diesem Retter in der Not? Es war Charles Dickens, der Autor von Oliver Twist und David Copperfield.

Victor Lustig: Ein Mann verkauft den Eiffelturm

Der Eiffelturm 1890Definiert man sie nicht über eine offizielle Ausbildung, sondern betrachtet Intention und Fähigkeiten, könnte man sagen, dass es zwei Arten von Psychologen gibt: Die guten und die bösen. Erstere, meist konventionell praktizierend, versuchen in aller Regel ihren Mitmenschen eine Hilfe zu sein in dem sie sich um das menschliche Seelenheil bemühen. Die zweite Art allerdings, also die bösen, benutzen ihre Fähigkeiten in erster Linie zur persönlichen Bereicherung. Sie haben Gespür für die Schwächen der Menschen, erkennen ihre Gelüste, ihre Gier und Manipulieren ihre Opfer wie ein Puppenspieler. Man nennt sie Hochstapler, Gauner oder Trickbetrüger. Sperrige Begriffe für jemanden, der im Englischen mit bewunderndem Unterton Con Artist genannt wird.
Natürlich handelt es sich bei diesen „Betrugskünstlern“ um Verbrecher, aber eben um jene von deren gewitzten Coups oft eine besondere Faszination ausgeht.
Einer ihrer berühmtesten Vertreter, und sicher auch einer der dreistesten, war Graf Victor Lustig. Der natürlich in Wahrheit gar kein Graf war. Jener Victor Lustig verfügte über eine dermaßen beeindruckende Menschenkenntnis gekoppelt mit genug krimineller Energie, dass er es schaffte sogar Menschen um den Finger zu wickeln, die es eigentlich hätten besser wissen müssen. So verkaufte er in den USA mehrfach eine Kiste die scheinbar 100$-Noten drucken konnte, flog allerdings auf, wurde verhaftet und tauschte schließlich beim Sheriff eine eben jener Gelddruckmaschinen gegen seine Freiheit ein. Als der Gesetzeshüter bemerkte, dass die Wunderkiste nur noch weißes Papier ausspuckt war Lustig schon über alle Berge. Mit einer anderen Masche ergaunerte er von Al Capone persönlich 5000 Dollar und, noch verwunderlicher, überlebte das auch noch unbeschadet.
Doch von all seinen Gaunereien erregte eine besondere Aufmerksamkeit. Im Jahr 1925 erfuhr Lustig von der Renovierungsbedürftigkeit des Eiffelturms. Indem er sich als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums ausgab, lockte er sechs vermögende Schrotthändler zu einem geheimen Treffen in ein nobles Hotel. Er erklärte, dass der alte Turm endlich abgerissen und anschließend als Schrott verkauft werden solle. Das Verkaufsgespräch diente Lustig dazu die einzelnen Personen beobachten und einzuschätzen zu können, um dann ein geeignetes Opfer auszuwählen. Es gelang ihm tatsächlich einen der Herren davon zu überzeugen das Geschäft mit ihm abzuschließen und natürlich im Voraus zu bezahlen. Allerdings schöpfte die Frau des Schrotthändlers Verdacht und mahnte ihren Mann zur Vorsicht.
Besonders in solchen Situation zeigten sich Lustigs beeindruckenden psychologischen Fähigkeiten. Um jeglichen Verdacht auszuräumen beraumte er ein weiteres Treffen mit seinem Opfer an und erklärte diesem wie wenig er als Beamter verdienen würde. Der Schrotthändler verstand die Aufforderung zur Bestechung und hielt ihn, gerade weil er Schmiergeld verlangte, für einen echten französischen Beamten. Mit der Beute in der Tasche floh Victor Lustig anschließend nach Wien und wartete vergeblich darauf von seinem Coup in der Zeitung zu lesen. Aus Scham hatte der geschädigte Schrotthändler geschwiegen. Also kehrte der Gauner nach Paris zurück und verkaufte den Turm ein zweites Mal. Diesmal flog er aber auf und musst fliehen.
Victor Lustig starb 1947 im legendären Gefängnis von Alcatraz. Bis zu seinem Tod stand er dort angeblich unter Al Capones persönlichem Schutz.

Happy Birthady, Orson Welles!

Wer hat sie nicht, jene persönlichen Helden und Idole, zu welchen man ehrfürchtig aufblickt und irgendwann voller Bewunderung den eigenen Kindern von ihren Großtaten erzählt.
Ein Mann der in meiner persönlichen Heldenliga ganz oben mitspielt, wurde am 06. Mai 1915 in Kenosha, Wisconsin geboren: Orson Welles.
Welles war ein legendäres Multitalent, vor allem aber als Filmemacher und Schauspieler bekannt. Belesen, genial, schroff, exzentrisch und scheinbar dem Motto folgend „entweder auf meine Art oder auf keine Art“, schuf er im Laufe seiner Karriere gleich mehrere Meisterwerke.
Unvergessen sein Radiohörspiel Krieg der Welten von 1938, welches er so geschickt inszenierte, dass er eine ganze Nation angesichts einer scheinbaren Marsianerinvasion in Massenpanik versetzte. Er war ein Hexer der Bildsprache und sein Film Citizen Kane, den die Fachzeitschrift Sight & Sound des British Film Institute seit 1962 als besten Film aller Zeiten aufführt, gehört zu jenen Streifen, die ich mir darum nur selten ansehen, damit sich der Eindruck den sie auf mich machen nicht abnutzen.
Heute wäre er 96 Jahre alt geworden.

»In dieser kollektivistischen Zeit so individualistisch wie möglich zu leben, ist der einzig echte Luxus, den es noch gibt.«Orson Welles


Orson Welles – War Of The Worlds
mercury theater, 30. october, 1938: